Der Kyi Chu (= Lhasa River/Tibet)

von

Dieter Ortlam, Bremen*

mit 1 Abb.

 

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Er ist ein nördlicher Zulauf des Yarlung Tsangpo, des Oberlaufes des Brahmaputra in Tibet, und entspringt in der Nyanchen Thanglha Range (= Transhimalaya S. HEDIN´s) im Tibetischen Hochland (= Changtang). Seine Quelle entdeckte der Verfasser am 14. August 1989 bei geophysikalisch-glaziologischen Untersuchungen entdeckt auf dem Changtang (ORTLAM 1991).

 

Quelle: An einem stark zurückschmelzenden Gletschertor bei 5290m NN Höhe in der zentralen Nyanchen Thanglha Range, ~15km WSW des höchsten Gipfels, Nyanchen Thanglha (7117m NN), ~30km N der Geothermalstadt Yanbajing, ~15km E Guring La (5972m NN, N-S Pass); 90° 28´E, 30° 19´N.

 

Fluss-Länge: ~395km; bedeutende Zuflüsse sind von Norden der Dam Chu, von Osten der Miggi Chu und von Westen der Tobing Chu. Der Miggi Chu hat das größere Einzugsgebiet und wahrscheinlich auch einen längeren Zulauf bei seiner Mündung in den Kyi Chu bei Ort Lhünzhub.

 

Mündung: Östlich Oüxü in den Yarlung Tsangpo in 3590m NN Höhe unterhalb der Tsangpo-Brücke von Lhasa nach Gongkar (Flughafen).

 

Fluss-Lauf: stark gewundener Lauf entlang der Orte Lhünzub (4065m NN), Reting Gompa, Maizhokunggar (3750m NN), Dagze (3690m NN), Lhasa (3650m NN) und Oüxü (3590m NN).

 

Gefälle: Von der Quelle bis zur Mündung 1600m; 1:25 oder 4%, im Unterlauf ab Maizhokunggar jedoch nur noch 1% (bei subglazialer Übertiefung).

 

Einzugsgebiet: ~26000km².

 

Glaziale Überprägung: Durch zahlreiche Belege (u. a. U-Täler, Gletschertopf-Felder und –Kaskaden im Granit und jurassischem Kalkstein weit über der Talsohle, von erratischen Blöcken z. B. jurassischem Kalk auf Granit W Lhasa bzw. Granit + Gneis auf jurssischem Kalkstein auf dem Ganden-Peak, ~4500m NN, von Roches moutonnées mit Gletscher-Kritzen bzw. -Spiegeln und Luv-/Lee-Moränen im Bereich Gongkar-Lhasa-Yanbajing-Ganden Gompar) kann eine >2500m mächtige jungpleistozäne Inlandeisdecke in den Tälern des Kyi Chu- und des Yarlung Tsangpo abgeleitet werden. Eine genaue Altersdatierung ist vorerst aber noch offen (wahrscheinlich eine der beiden letzten Kaltzeiten).

 



Abb.: Einzugsgebiet des Kyi Chu zwischen Nyanchen Thanglha Range (=Transhimalaya S. HEDIN´s) im Nordwesten und dem Yarlung-Tsangpo (=Brahmaputra) im Süden.

Literatur:

 

MILLEVILLE, R. von (1987): South Central Tibet Route Map 1:1Mio. – Edward Stanford Ltd., London.

ORTLAM, D. (1991): Hammerschlag-seismische Untersuchungen in Hochgebirgen Nord-Tibets. – Z. Geomorphologie, N. F., 35,4:385-399, 12 Abb.,1 Tab., Berlin/Stuttgart.

*Autorenadresse und Copyright: Prof. Dr. Dieter ORTLAM, P.O.B. 102701, D-28027 Bremen.